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Möglichkeitsräume schaffen

Aktualisiert: Feb 4

Die aktuellen Meldungen über den Klimawandel hinterlassen bei mir oft ein Gefühl von Ohnmacht. Es gibt Ebenen, auf denen ich direkt nichts verändern kann. Beispielsweise, dass die USA aus dem Pariser Klimaabkommen austreten. Oder, dass in Südamerika munter Regenwald abgeholzt wird. In der Schweiz und in meinem Kanton und Ort kann ich aber zu einem Wandel beitragen. Ich kann Menschen und Parteien wählen, die meine Werte und Überzeugungen teilen, im Parlament einbringen und auf der politischen Ebene für Veränderungen sorgen. Ich kann bei jedem Einkauf entscheiden, welche Produkte in meinem Warenkorb landen und welche Läden, Firmen und Konzerne ich damit unterstütze. Sowieso kann ich entscheiden, ob ich überhaupt etwas neu kaufe oder aus zweiter Hand, ob ich etwas wegwerfe oder repariere, ob ich etwas in den Müll werfe oder recycle oder upcycle.


Ich lenke meine Energie und meinen Blick damit ganz bewusst auf die neuen Möglichkeiten, die diese Entscheidungen mit sich bringen. Ich entscheide mich fürs Verantwortung übernehmen, in jenen Bereichen, in denen ich Verantwortung übernehmen kann. Ich entscheide mich für aktives Handeln, anstelle von passivem resigniert Sein. Das Spannende daran ist, dass ich dabei selten das Gefühl habe, auf etwas schmerzlich verzichten zu müssen. Manchmal fühlt sich das Ganze sogar sehr befreit und entspannt an. Wenn ich mich beispielsweise im Restaurant nicht zwischen 10 Gerichten entscheiden muss, sondern einfach die einzige vegane Option bestelle. Oder wenn es zu Hause fast nichts mehr auszumisten gibt, weil ich meinen materiellen Besitz in den letzten zwei Jahren kontinuierlich verkleinerte. Oder wenn ich ganz unbeeindruckt von den vielen Aktionen und Promotionen im Kaufhaus in der Kosmetikabteilung vorbei gehen kann, weil ich weiss, dass ich all die künstlich erzeugten Produkte für all die künstlich erzeugten Bedürfnisse nicht mehr brauche. Manchmal ist das Ganze aber auch mit einigen Herausforderungen verbunden. So muss ich mich teilweise zwischen ethischen, ökologischen oder sozialen Kriterien entscheiden, wobei mir eigentlich alle drei gleich wichtig wären. Trotz allem erlaube ich mir aber auch ausdrücklich, Ausnahmen machen zu dürfen. Es ist mir wichtig, dass ich meine gesamte Lebensweise langfristig nachhaltiger und achtsamer gestalten kann und so wird es immer wieder ums Ausbalancieren verschiedener Bedürfnissen und Interessen gehen.


Ich wünsche mir also für uns, dass wir uns vermehrt darauf konzentrieren, was wir verändern können und dies im Rahmen unserer Möglichkeiten auch machen. Dass wir uns Schritt für Schritt auf den Prozess der Veränderung einlassen und dadurch neue Möglichkeitsräume schaffen und aus den neuen Optionen etwas Positives gewinnen können. Und natürlich wünsche ich mir auch, dass das Gefühl der Ohnmacht dadurch stetig ein bisschen kleiner wird.


In der Nähe von der Insel Mainau. Bild: Corinne Küng